“Ein grandioser Hassgesang, dessen verstörender Schönheit man sich nicht enziehen kann … Der weiße König ist große, intensive Literatur … in der Atmosphäre nahe bei manchen Filmen von Stanley Kubrick oder David Lynch.” Wolfgang Schneider, Frankurter Allgemeine Sonntagszeitung - zum Artikel
Andererseits verstärkt der Kinderblick in seiner Verengung die wuchtige Wirkung: Der Wissensvorsprung, der erweiterte Erfahrungshorizont, den der erwachsene Leser dem kindlichen Erzähler Dzsátá gegenüber hat, macht dessen Schilderungen noch schwerer erträglich und kehrt gleichzeitig die absurden Seiten der Diktatur hervor – wenn das Fußballspiel denn schon stattfinden müsse, erklärt ein Soldat am Tag nach Tschernobyl, dann solle er, Dzsátá, der Torhüter, wenigstens den Kontakt mit dem Ball und dem Rasen meiden, dann sei die Strahlung nicht so gefährlich. (…)
Selten hat man das ambivalente Glück, die physischen und psychischen Bedingungen eines diktatorischen Regimes literarisch so beklemmend vorgeführt zu bekommen wie in diesem brillanten Buch. Christoph Schröder, Süddeitsche Zeitung - zum Artikel
Aberwitzige schwarze Satire auf eine totalitäre Welt…
György Dragomán ist ohne Zweifel eine literarische Entdeckung, sein Buch schlägt den Leser sofort in Bann. Die atemlosen Sätze ziehen sich ohne Punkt über Seiten hinweg, wie in Panik, als hätte der Junge Angst, wir würden ihm nicht zuhören. Dabei hat er viel zu erzählen, denn obwohl die Geschichten eine beklemmend absurde Atmosphäre heraufbeschwören, die oft an Kafka gemahnt, eröffnen sie zugleich eine sehr konkrete Welt voller anschaulicher Details.
Diese höllische Melange, der grausame Film, der auf diese Weise vor den Augen der Leser abläuft, berichtet von Jugendlichen in einem totalitären Staat. Ihre Welt ist moralisch verkommen, sie haben gelernt, dass nur das Recht des Stärkeren gilt und keinem zu trauen ist. So helfen sie sich selbst, gründen Banden, basteln Waffen und führen Krieg gegeneinander. Eva Pfister (Westdeutsche Zeitung) - zum Artikel
“Dragomán versteht die Schlüsse zu setzen, den Text auf das Finale hin zu steigern und ihn dabei gleichzeitig offen zu lassen. Nie vergreift er sich im Stil, nie hängt der Roman durch, dieser Autor hat alles im Griff, und dennoch triumphiert die Methode nie über den Inhalt, keine Spur einer kalten Perfektion, denn György Dragomán hat eben wirklich etwas zu erzählen.
Wahrscheinlich erzählt er in vielen Details seine eigene Geschichte, aber ein Autor seines Formats hat es nicht nötig, damit zu prunken. Der authentische Erzählfluss aus dem Munde Dzsátás genügt, um einen fulminanten Roman entstehen zu lassen, bei dem einem oft genug der Atem stockt. Einen Ausnahme-Roman, wie man ihn nur alle paar Jahre zu lesen kriegt. ” Cornelius Hell,Die Furche, - zum Artikel
Weshalb schreibt Dragomán aus der Perspektive eines Kindes? «Weil man an der Kinderwelt am besten ablesen kann, wie eine Diktatur funktioniert», sagt er. Kinder sind «noch stärker ausgeliefert, weil sie in ihrem kindlichen Übermut rebellieren». So muss Dzsátá ganz allmählich verstehen lernen, was hinter dem täglichen Terror steckt. Dass er dabei nie seine Vitalität verliert, ist bewundernswert. Er bäumt sich auf, geht mit seinen Freunden frech und neugierig auf die Spur des Verborgenen bis in die unterirdischen Gänge zum Vorführraum der Filmzensur, um einen Blick auf die verbotenen amerikanischen Filme zu erhaschen. Solche Szenen sind nicht nur grauenvoll lustig, sondern auch spannend wie ein Krimi. (…)
Ähnlich wäre das auch anderswo in Osteuropa möglich gewesen, nicht nur in Ceausescus Rumänien der Achtzigerjahre. Man denkt sogar an Imre Kertész’ «Roman eines Schicksallosen». Aber György Dragománs Spektrum ist breiter: Er zeigt die Repression durch mehrere Gesellschaftsschichten hindurch, von der «Unterwelt» der Strassenarbeiter, welche die fussballspielenden Kinder zwingen, eine unbrauchbare Grube durch ihr Spielfeld zu graben, bis zur «Überwelt» des Grossvaters, der seiner Schwiegertochter, die er eine «jüdische Schlampe» nennt, jede Hilfe verweigert, obwohl er ein pensionierter Parteisekretär ist. Dieser ungarische Junge erfährt in Ceausescus Regime auf kafkaeske Weise das Ausgeliefertsein. Erika Achermann, St. Galler Tagblatt - zum Artikel
»Es zeugt von überragender Meisterschaft, wie György Dragomán, 1973 als Angehöriger der ungarischen Minderheit im rumänischen Siebenbürgen geboren und heute in Budapest lebend, den Roman Der weisse König eröffnet. Die ganze höllische Melange der Gefühle, die das Buch durchzieht, ist da: die Angst und die Hoffnung, die Verzweiflung und der Verrat, die Liebe und der Trotz, die Gewalt und das Ausgeliefertsein. Die Deportation des Vaters ist der Schock, der dem kindlichen Ich-Erzähler die Augen öffnet für die Agonie von Ceausescus Rumänien. Fortan besitzt er diesen glasklaren, hellwachen und doch etwas naiven Blick, der die Szenerie in ein hyperreal düsteres Licht rückt. Wenn Imre Kertész’ György Köves, der 1944 gläubig staunend durch Auschwitz ging, in der ungarischen Literatur einen Nachfolger gefunden hat, dann hier in Dzsátá. Und wie im Roman eines Schicksallosen stellt eine Ironie sich ein, die im Hinblick auf ein System von perverser körperlicher und seelischer Gewalt eine subversive Ästhetik des Widerstands begründet.« Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung - zum Artikel
“Der 1973 in Siebenbürgen als Angehöriger der ungarischen Minderheit geborene Dragomán, der 1988 mit seinen Eltern nach Budapest auswanderte, hat nur ein Thema: die unausweichliche Gegenwart voller Niedertracht, Gier und Lüsternheit, in der eine bei aller Absurdität sehr naturalistische Gewalt regiert. Es gibt keine schützende Überlieferung oder Religion mehr, auch kein bergendes Milieu. Jeder Zusammenhang ist zerrissen, alles wiederholt sich: Daher setzen die Erzählungen immer wieder neu an.”
Rezensiert von Jörg Plath Zum Artikel
“Was diesen Roman auszeichnet, ist die durchgängige sprachliche Souveränität, die überzeugende Erzählperspektive und eine Spannung, die weniger mit Suspense zu tun hat als mit der in jeder Geschichte neu definierten Mischung aus Verzweiflung und Auflehnung. Wer sich noch rühren lässt, den wird dieser Roman rühren; und zwar in einer Weise, die nichts mit Sentimentalität zu tun hat. Jeder Satz, jedes Handlungsmoment, jede Empfindung bleiben an den Vaterverlust, an die Mutterbindung und an die mentalen Strukturen gebunden, wie sie totalitäre Staaten hervorbringen.” Bernhard Fetz im Falter | Buchbeilage 11/2008 vom 12.3.2008 (Seite 20) Zum Artikel